Ringelnatzgesellschaft
 
Home arrow Presse arrow Von Möpsen und Mäusen
Von Möpsen und Mäusen

Nordsee Zeitung - 16. Oktober 2009
Von Möpsen und Mäusen
Chrisitian Quadflieg breitet in Cuxhaven vergnüglichen Unsinn aus




Christian Quadflieg
Hörvergnügen garantierte Christian Quadflieg seinen Zuhörern in Cuxhaven.Den Schauspieler konnte nichts erschüttern. Selbst ein Zuhörer, der die Pointe verriet, brachte ihn nicht aus der Ruhe
CUXHAVEN. Ein echter Profi, dieser Christian Quadflieg. Der 1945 geborene Bühnen- und Fernseh-Schauspieler hat 34 Leseprogramme im Repertoire und gibt seinen Zuhörern trotzdem das Gefühl, diesen Abend nur für sie zusammengestellt zu haben. So auch im rappelvollen Schloss Ritzcbüttel zu Cuxhaven, wo er vor über 140 begeisterten Gästen „28 wahn-Sinnliche Dichter" vorstellte.

„Dunkel war's, der Mond schien helle", begann Quadflieg mit dem allseits bekannten Kindervers, holte sich kurz bei Horaz, Goethe und Schiller die Legi­timation für sein Tun und stürzte sich dann mit großem Genuss auf dichterischen Sinn, Gegensinn und Unsinn. Heinrich Heines „Narretei" machte den Anfang, vom zu Unrecht vergessenen Peter Paul Althaus ging's zu Werner Schneyder, von Robert Gernhardts „Dichter Dorlamm" zu Joachim Ringelnatz' „Ohrwurm", von dort weiter zu James Krüss' Schnaps trinkenden Möpsen.
 

ERSTKLASSIGER VORTRAG

Quadfliegs. Vortrug blieb jederzeit erstklassig und engagiert. ICin Mi-kro brauchte ein Schauspieler seines Formats natürlich nicht, selbst die Vorwegnahme der Pointe aus dem Publikum konnte ihn nicht erschüUern und wurde knapp mit „Danke!" quittiert. Un­beschwertes Vergnügen also bei Wortspielern wie Schwitters, Vischer und Erhardt, viel Raum für P.R Althaus „Traumstadtgedich­te" und eine Geschichte von Tucholsky - für Abwechslung war bestens gesorgt. Und einen von

Bertolt Brecht gab's auch mit auf den Weg: „Eins. Zwei. Drei. Vier,/ Vater braucht ein Bier./ Vier. Drei. Zwei. Eins./ Mutter braucht keins."

Auch im zweiten Abschnitt erwartete die Zuhörer eine fein abgestimmte Mischung aus Altem und Neuem, Bekanntem und Unbekanntem, dabei stets sehr Amüsantem. Mit geschickter Moderation wurden die Fäden geknüpft zwischen Ringelnatz, Althaus und dem Münchener Kabarett „Simpl".

„Die Wühlmaus nagt von einer „Wurzel" das „W" hinfort - bis an die „Urzel"", lamentierte dort dereinst Fred Endrikat, und irgendwann muss ja einfach Schluss sein. „Nun steht die „Rz" im Wald allein, die Wühlmäuse sind so gemein." (ulm)


Letzte Aktualisierung ( Sonntag, 6. Dezember 2009 )