Ringelnatzgesellschaft
 
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Über Ringelnatz, die Komik im Gedicht und eigene Lyrik

Cuxhavener Nachrichten - 05.06.2007
NDR Kultur mit Regula Venske, Thomas Gsella, Richard Pietraß, Steffen Jacobs und Frank Möbus im Schloss

 In Sachen Ringelnatz wie in Sachen Lyrik waren die Teilnehmer auf dem Podium gleichermaßen kenntnisreich und sorgten so dafür, dass der Abend „Ringelnatz und die Folgen oder Die Komik im Gedicht" am Sonntag Abend im Schloss Ritzebüttel zu einem im besten Sinne interessanten Abend auf bemerkenswertem Niveau wurde. Zu Gast bei der Joachim-Ringelnatz-Stiftung war NDR Kultur Sonntag mit seinem „Literarischen Cafe" zum Thema Ringelnatz. Der mittelalterliche Saal des Schlosses war restlos ausgebucht. Senden wird NDR Kultur die von der Literaturkritikerin und Krimi-Autorin Dr. Regula Venske abwechslungsreich moderierte Veranstaltung am kommenden Sonntag, 10. Juni um 20.05 Uhr in seiner Reihe „Sonntagsstudio. Das literarische Cafehaus".

Die Publizistin und Krimi-Autorin Dr. Regula Venske (Mitte) moderierte am Sonntag Abend im restlos ausgebuchten Schloss Ritzebüttel die Veranstaltung „Ringelnatz und die Folgen oder Die Komik im Gedicht" von NDR Kultur in Zusammenarbeit mit der Joachim-Ringelnatz-Stiftung. Auf dem Podium von links nach rechts: der Lyriker und „Titanic"-Chefredakteur Thomas Gsella, der Lyriker und Schriftsteller Richard Pietraß, Regula Venske, Steffen Jacobs (Herausgeber von „Die komischen Deutschen") und der Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Frank Möbus. Foto: Genau

 Mit den Lyrikern Thomas Gsella (Träger des Ringelnatz-Nachwuchspreises 2004), Richard Pietraß und Steffen Jacobs saßen drei Autoren auf dem Podium, in deren Gedichten die Komik durchaus eine Rolle spielt. Prof. Dr. Frank Möbus, profunder Ringelnatz-Kenner und Mitglied des Vorstand der Joachim-Ringelnatz-Stiftung, komplettierte am Sonntag Abend das Podium.

Die zu Beginn der NDR Kultur Aufzeichnung von den Podiumsteilnehmern verlesenen Lieblings-Ringelnatz-Gedichte sagte bereits einiges über deren Verhältnis zu Joachim Ringelnatz aus. Steffen Jacobs beispielsweise schätzt die „etwas urbaneren Gedichte mehr als andere Ringelnatz-Gedichte" und ist eigenen Aussagen zufolge „kein Fan der Kuddel-Daddeldu-Figur". Richard Pietraß, in den 70er-Jahren für einige Zeit Lyriklektor im Verlag Neues Leben und nach der Biermann-Ausbürgerung dort nicht mehr wohl gelitten, mag den „ganzen" Ringelnatz „über den grünen Klee". Thomas Gsella, im Brotberuf Chefredakteur des Satiremagazins „Titanic", kam erst durch die zum komischen Gedicht, wie er sagt. Und der von der Moderatorin Regula Venske verfolgte „kurze Schritt" von Ringelnatz zu den eigenen Gedichten der Lyriker
führt dann ganz schnell dazu, dass das Publikum Einiges über die Autoren erfahren.

Das für die Ringelnatz-Gedichte so charakteristische Irritierende, die überraschende Wendung, die „Fallhöhe" - all das wollen die Podiums-Teilnehmer auch für die Komik im Gedicht insgesamt in Anspruch nehmen. Dabei findet Steffen Jacob, in seiner Eigenschaft als Literaturkritiker ein ausgewiesener Lyrikkritiker, dass die komische Lyrik manchmal „klüger" ist als die nichtkomische. Wenn er Rilke und Ringelnatz „auf Augenhöhe spielend" einschätzt, ist er, gar nicht sehr weit entfernt von Frank Möbus' Einschätzung, der Ringelnatz für einen absolut unterschätzten Dichter des 20. Jahrhunderts hält.

Dass bei den komischen Gedichten die Männer ausnahmslos in der Überzahl sind und Frauen so gut wie gar nicht vorkommen, konterte Richard Pietraß mit dem Hinweis auf Kerstin Hensel etwa, Frank Möbus rezitierte ein sehr knappes „komisches" Gedicht von Mascha Kaleko und nannte eines von Else Lasker-Schüler.

Doch dass es unter den Frauen die „ganz große komische Dichterin" nicht gibt, darüber war man sich in der Runde dennoch einig. Zugestimmt haben wird seinerseits das Publikum vermutlich Richard Pietraßs Aussage, Komik sei „eine wunderbare Helferin bei der Erlangung der Heiterkeit".

War der Dichter Joachim Ringelnatz politisch oder war er eher unpolitisch, wollte Moderatorin Regula Venske wissen. Politisch sein verlange, dass man einen Standpunkt habe, meinte Steffen Jacobs, und was das angehe sei Ringelnatz doch eher „eine sehr schwankende Persönlichkeit". Dem entgegnete Frank Möbus mit einem „teilweisen Widerspruch", denn die Zeitumstände hätten Ringelnatz doch „sehr ins Politische getrieben", wofür der Literaturwissenschaftler das Gedicht „Wirrsal" als ein Beispiel anführte.

Der Abend „Ringelnatz und die Folgen" war spannend, vielseitig und brachte gerade durch die „personellen Veränderungen" (für Günter Kunert kam Richard Pietraß, für Wend Kässens Regula Venske) neue Einblicke.
Letzte Aktualisierung ( Sonntag, 15. Februar 2009 )