Ringelnatzgesellschaft
 
Home arrow Presse arrow Presse 2006 arrow "Ein Kind der Expo wächst heran"
"Ein Kind der Expo wächst heran"

Hannoversche Allgemeine Zeitung - 22.06.2006
Cuxhaven hat ein kleines, attraktives Museum und vergibt den Ringelnatz-Preis

Cuxhaven. Den Tiefwasserhafen hat Cuxhaven nicht bekommen. Auch manche andere Investition rauschte an der hoch verschuldeten Elbstadt vorbei, die vor allem als Fremdenverkehrsort bekannt ist. Doch mit dem Ringelnatz-Preis und dem Ringelnatz-Museum macht die Hafenstadt jetzt auch kulturell auf sich aufmerksam - und liefert einen lebendigen Nachweis dafür, was Privatinitiative leisten kann. Denn Privatleute haben mit der Gründung einer Stiftung das Museum erst möglich gemacht.

Schräg gegenüber dem Ritzebütteler Schloss, von dem in früheren Jahrhunderten die Amtsherren Hamburgs die kleine Stadt Cuxhaven „regierten", steht seit Ende 2002 das kleine Ringelnatz-Museum - und erfreut sich wachsender Beliebtheit. „Die Gründung der Stiftung und des Museums war im wahrsten Sinne eine Schnapsidee", berichtet die Cuxhavenerin Erika Fischer (Foto links: Erika Fischer vor dem Ringelnatz-Museum in Cuxhaven). Denn nach der Eröffnung einer Ringelnatz-Ausstellung im Ritzebütteler Schloss, die von dem Göttinger Germanistikprofessor Frank Möbus und dessen Frau Friederike Schmidt-Möbus, einer Kunsthistorikerin, konzipiert worden war, habe man noch lange beim Wein zusammengesessen und weitgehende Pläne geschmiedet.

Die Ausstellung, die den Blick auf die vielfältigen Talente des Dichters und Malers Ringelnatz erweitern sollte, war als Projekt im Zusammenhang mit der Weltausstellung in Hannover entstanden. Sie wurde in Göttingen, Cuxhaven und dem sächsischen Würzen gezeigt, dem Geburtsort des Dichters. „Es gab damals keine Institution, die sich um den Nachlass kümmerte", berichtet Möbus. Die Frage, ob man für die verstreuten Zeugnisse über den Dichter, für seine vielen Gemälde und Briefe nicht einen festen Ort schaffen müsse, wurde bald durch die Gründung einer Stiftung beantwortet. Hilfreich dabei war, dass zum Gründungsquartett mit Erika Fischers Ehemann Peter ein Politiker zählte, der gut elf Jahre Wirtschaftsminister Niedersachsens war und über viele Kontakte verfügte.

Um das Stiftungskapital zu sammeln, wurde Fischer bei vielen Wirtschaftsgrößen vorstellig - vom ehemaligen VW-Chef Carl Hahn bis zum hannoverschen Messechef Sepp Heckmann. Das Projekt reifte, die Cuxhavener Stadtsparkasse zog mit, die Stadt stellte ein altes Fachwerkhaus gegenüber dem Schloss mietfrei zur Verfügung. So hatte Cuxhaven sein Ringelnatz-Museum, ein spätes Kind der Expo war aufgeblüht.

Besucher erfahren in dem kleinen Fachwerkbau, welche Spuren der Autor des „Kuttel Daddeldu" in seinen drei Cuxhaven-Jahren hinterlassen hat. Außerdem beleuchtet die Schau das Verhältnis, das Ringelnatz zu Kindern oder zur Technik hatte und zeigt viele Ölgemälde, die vorher in Privatbesitz schlummerten. „Auch Harry Rowohlt hat uns drei Ölgemälde überlassen", berichtet die rührige Stiftungsvorsitzende Erika Fischer.

Mittlerweile gibt es für die vielen Fans des vielseitigen Künstlers, der 1934 in Berlin starb, auch eine Ringel-natz-Gesellschaft, auf die Stiftungsschatzmeister Peter Fischer mit Nachdruck hinweist: „Wir treten bundesweit auf." Und der Cuxhavener Bäckermeister Böhn hat sogar eine „Muschelkalk-Torte" konzipiert, die im Innenhof des Museums zuweilen serviert wird - eine Torte mit Ringelnatz-Bezug: „Muschelkalk" nannte er seine Frau.

Michael B. Berger
Letzte Aktualisierung ( Sonntag, 15. Februar 2009 )