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Um viele echte Ringelnatz-Raritäten reicher geworden

Cuxhavener Nachrichten - 20.02.2009
Um viele Ringelnatz-Raritäten reicher geworden
Museum in der Südersteinstraße erhielt eine von Günter Mohr angelegte Bibliothek mit zum Teil handsignierten Erstausgaben




Ringelnatzstiftungs-Vositzende Erika Fischer dankte Günter Mohr für die großzügige Spende. Nachdem ihn vor sieben Jahren das "Sammelvirus" gepackt hatte, scheute Mohr, selbst Mitglied im Stiftungsrat, weder Zeitaufwand noch Mühen, um den bibliophilen Schätzen auf die Spur zu kommen.
Fotos: Koppe



kop.-Ein vom Autor mit Tusche verzierter Erstdruck der "Woge" ist geeignet, das Herz jedes Ringelnatz-Lesers höher schlagen zu lassen. Ähnlich elektrisiert dürften Kenner auf einen "Liner Roma" im Westentaschenformt reagieren. Nicht sein hübsch marmorierter Buchdeckel macht das Bändchen zur Rarität, sondern eine Ziffer auf der vorletzen Seite: Nummer 121 der aus lediglich 200 Exemplaren bestehenden Auflage aus dem Jahr 1924.
Beliebig ließe sich die Aufzählung bibliophiler Kleinode an dieser Stelle fortführen, immerhin umfasst die Ringelnatz-Bibliothek von Günter Mohr weit über einhundert Bücher.

Limitierte Auflagen

Selbst wenn man unterstellt, dass sich zwangsläufig ein wenig Spreu (Doubletten, Neuauflagen aus jüngeren Jahren) unter dem Weizen befindet. Der Wert der Schenkung, die die Cuxhavener Ringelnatzstiftung, Trägerin des Museums in der Südersteinstraße, vor Kurzem erhielt, ist allein aus archivarischer Sicht beträchtlich: Vielen längst vergriffenen, vergessenen oder limietiert erschienen Ringelnatz-Ausgaben war Günter Mohr in oft nächtelanger Recherche auf die Spur gekommen - im Bestreben, seine Sammlung zu komplettieren, von der sich das Mitglied der Ringelnatz-Gesellschaft e.V. mehr oder minder leichten Herzens getrennt hat: "Ich wusste nicht mehr, wo ich die ganzen Bücher noch lassen sollte", gestand Mohr dieser Tage im Kreise von Vereinskollegen und Stiftungsmitglieder.

Vom Sammelvirus gepackt

So richtig gepackt hatte ihn das Sammelfieber vor sieben Jahren; Grundstock bildeten damals wenige auf Vermittlung erworbene Regalmeter Ringelnatz, die sich - Internet und Antiquariaten sei Dank - ziemlich schnell ausdehnten. Vor dem Suchtpotenzial des Büchersammelns (und möglichen Folgen) warnte übrigens kein geringerer als ein gewisser Hans Gustav Bötticher schon vor rund 80 Jahren: "Was zum Henker", so reimte der Dichter aus der Sicht eines Bücherfreundes, "kümmert mich die Zahl.../ Jedenfalls viel mehr als mein Regal / Halb imstande ist zu fassen." Um solchen Zuständen vorzubeugen, zug Mohr bei Zeiten die Notbremse: "Ringelnatz musste aus dem Haus!", so die launige Erklärung des Spenders.
Profitieren werden von Günter Mohrs Entschluss in Zukunft all jene, die wissenschaftlich über Ringelnatz arbeiten möchten: Bei den in einigen Büchern enthaltenen Widmungen (gerichtet zum Beispiel an Ringelnatz` Freund Erich Winter) handelt es sich um wertvolle biographische Zeugnisse - humoristische "Fingerabdrücke", hinterlassen vom Autor persönlich.
Damit auch die Allgemeinheit etwas vom Umzug der Sammlung Mohr in die Südersteinstraße hat, werden die schönsten Exemplare aus der dem Museum gestifteten Ringelnatz-Bibliothek noch bis Ende März ausgestellt: Im Obergeschoß des Ringelnatz-Hauses können Besucher einen Blick darauf werfen.


  


"Ringelnatz im Schacht von Hattorf": in dieser Ausgabe der "Woge" hat sich der Autor selbst in einer Tuschezeichnung verewigt.
   
Letzte Aktualisierung ( Sonntag, 22. März 2009 )