Ringelnatzgesellschaft
 
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"Hommage"

Cuxhavener Nachrichten - 8. November 2008
Eine "Hommage" war es nur im ersten Teil
Erster Abend der "Literaturtage" im Schloss



Was das Datum angeht, so  war das in der Tat wie "gemacht" für die Veranstaltung. Der 125. Geburtstag Joachim Ringelnatz und der 110. Geburtstag von Muschelkalk, wie Ringelnatz seine Frau Leonarda Pieper zärtlich nannte, war zweifellos Grund genug für die "Geburtstagshommage an Kuttel Daddeldu und Muschelkalk" am Donnerstagabend im Schloss. Und dazu noch Michael Augustin, ein ausgemachter Ringelnatz-Fan und -Kenner, der erst jüngst in seiner Eigenschaft als Redakteur bei Radio Bremen eine dreistündige Ringelnatz-Sendung zu dessen Geburtstags-Datum gemacht hat.
So weit so gut in Sachen Ringelnatz und auch ein bisschen Muschelkalk. Doch nach der Pause gab es am Donnerstag im Schloss noch Achim Amme und Andreas Nock mit "Noahs Paarty" sowie Songs, Satire und Poesie. Das wiederum hatte, wenngleich es gelegentlich zündend Musikalisches und auch Satirisch-Poetisches enthielt, mit Ringelnatz nur insofern zu tun, als der Schauspieler und Autor Achim Amme vor etlichen Jahren einmal den Publikumsspreis des "ersten", damals noch anonym ausgeschriebenen Cuxhavener Ringelnatz-Preises erhalten hat. Woran sich vermutlich kaum noch jemand so richtig erinnert.
Die Veranstaltung der derzeit in Cuxhaven stattfindenden 45. Niedersächsischen Literaturtage in Kooperation mit der Stadt Cuxhaven und der Joachim-Ringelnatz-Stiftung war von einem deutlichen Bruch gekennzeichnet. Und es ist die Frage, ob es nicht klüger und fürs Publikum ergiebiger gewesen wäre, zwei daraus zu machen. Jede hätte für sich gestanden und wäre - so jedenfalls ist anzunehmen - dem eigenen Anspruch gerechter geworden. Michael Augustin beispielsweise hätte sich noch ein wenig mehr auf die (wirklich authentischen) "Erinnerungsstücke" zu Ringelnatz und Muschelkalk konzentrieren können und - was nicht minder lohnend gewesen wäre - auf seine eigenen Texte. Augustins Texte nämlich, ob "prosaisch" oder lyrisch, sind voller Hintersinn, verstecktem Witz und spitzfindiger Ironie. Die an diesem Abend gelesenen Kostproben, mitunter musikalisch begleitet von Uli Sabotta auf seinem Euphonium oder seiner Gitarre, gaben leider nur einen kleine Eindruck davon. 
Die Tonlage, das ließ sich am Donnerstagabend feststellen, war ähnlich. Auch Achim Amme (und mit ihm Andreas Nock) ist kein Satiriker von der "beißenden" Sorte. Er ist eher ein wohlmeinender Spötter, der die Macken seiner Mitmenschen und das, was sich so im zwischenmenschlichen Alltag und in der etwas größeren Welt abspielt, zwar genau sieht und auch aufspießt, aber eben mit Maßen. Seine Idee, die Geschichte Noahs einmal ganz anders zu erzählen, hat was - auch der mit dem Gitarristen Andreas Nock gemeinsame musikalische Part. Doch hat die Sache auch Längen, und zwar erhebliche.

Ilse Cordes
augustin.jpg
Michael Augustin las aus seinem
Band "Nur die Urne schwimmt".



Letzte Aktualisierung ( Samstag, 28. Februar 2009 )