Cuxhavener Nachrichten - 11.
Juni 2005
Altes
Foto gab den Anstoß - Ringelnatz und Gartenstühle
Historische Stühle im Ringelnatz-Garten in
der Rückfront des Museums laden zum Stöbern in Büchern
ein
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Joachim
Ringelnatz alias Hans Bötticher als kleiner
Junge im
Samtanzug und mit weißer Feder auf Gartenstühlen
im elterlichen Garten.
Foto: Archiv
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Die
Fotografie ist bekannt. Auch der Rowohlt Verlag hat sie
schon vor Jahrzehnten für seine rororo-Bildmonographie
„Joachim Ringelnatz in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten",
dargestellt von Herbert Günther verwendet. Das inzwischen
längst historische Foto zeigt Familie Bötticher,
draußen im Garten rund um den kaffeegedeckten Tisch
sitzend auf Gartenstühlen, wie sie um 1900 und lange
danach noch üblich waren. Ganz links auf dem Foto
- und das ist der eigentliche Anlass für all das
nachfolgend Aufgeführte - ist ein reizend aussehender
kleiner Junge auszumachen, in Samtanzug mit weißem
Kragen und einer weißen Feder am Hut, der kleine
Hans Bötticher, später dann der berühmte
Joachim Ringelnatz, Dichter, Maler und "Artist".
Die Gartenmöbel auf dem alten Ringelnatz-Foto waren
es, die es den Ringelnatz-Leuten in Cuxhaven angetan hatten.
Denn sie würden „genau richtig" in den
kleinen Garten an der Rückfront des Joachim-Ringelnatz-Museums
passen, wenn sich Museumsbesucher einmal bei gutem Wetter
zu einer Ringelnatz-Lektüre in aller Ruhe zurückziehen
möchten.
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Sie
probierten kürzlich die "auf Vordermann
gebrachten" historischen Gartestühle aus:
(von rechts: die Vorsitzende der Ringelnatz-Gesellschaft
Karin Lüdke, der für den Internet-Auftritt
des Joachim-Ringelnatz-Stiftung und des Museums zuständige
Rainer Genau, die Vorsitzende der Stiftung Erika Fischer
und ein Journalist:
Foto: Ilse Cordes |
Entdeckt
wurden Gartenstühle aus eben dieser Zeit schließlich
im Hotel "Waldschlösschen" in der Wingst
wo schon ganze Generationen von Gartenlokal-Besuchern
auf ihnen gesessen haben. Die Ringelnatz - Gesellschaft
erwarb, wie deren Vorsitzende Karin Lüdke kürzlich
in einem Gespräch mit den CN berichtete, 12 antiquarische
Gartenstühle und zwei Tische und dazu noch zwei "auf
alt getrimmte Bänke mit Eisenguss-Teilen", wie
es dazu hieß. Dass die historischen Gartenstühle
auch noch wieder schön hergerichtet werden konnten,
daran hat die Reederei- und Befrachtungsgesellschaft mbH
Thien & Heyenga aus Hamburg ihren Anteil. Jedenfalls
scheitert es künftig nicht an den passenden "stilechten"
Sitzgelegenheiten daußen im Ringelnatz-Garten, wenn
die Museumsbesucher die Luste ankommt in den
Ansichtsexemplaren der verschiedensten Rmgelnatz-Ausgaben
und Ringelnatz-Bücher zu stöbern.
Die historische Fotografie, die den kleinen Hans Bötticher
im Kreise seiner Familie zeigt, mag aus jenen Jahren stammen,
in denen er erste Erfahrungen mit der Schule machte. Und
das waren, wie auch später bei ihm selbst in seinen
Erinnerungen "Mein Leben bis zum Kriege" nachzulesen,
wahrlich keine guten. Als „respektfordernde Dunkelmenschen,
vor denen mein Herz sich von Anfang an verschloss"
bezeichnete Joachlm Ringelnatz seine Lehrer, erst in der
Volksschule und später dann auf dem Königlichen
Staatsgymnasium.
„In der Schule war's trostlos. Schönschrift
und Orthographie brachten mich zur Verzweiflung. Kein
Lehrer mochte mich leiden. Meine Hefte waren schmierig.
Glaubte ich mich unbeobachtet, so trieb ich Allotria.
In den Pausen war ich nicht zu bändigen. Ich wurde
verpetzt oder erwischt und immer wieder bestraft...",
so zitiert Herbert Günther Joachim Ringelnatz, der
zugab, dass das Lernen ihm "so schwer fiel",
wenn es draußen im Sommer beispielsweise eine „moderne
freie Schwimmanstalt" ab.
Ilse
Cordes
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